Mitglieder des Ortsbeirates: Elisabeth Pier (CDU)

Regelmäßige Besucher im Elmschenhagener Ortsbeirat kennen Elisabeth Pier (CDU) als ein Mitglied des Beirats, das äußerst aufmerksam und zugleich zurückhaltend den behandelten Themen folgt. Kritische und neugierige Blicke auf Karten, Pläne und Zeichnungen zeichnen sie ebenso aus, wie ihre auf den Punkt formulierten Wortmeldungen. Dabei ist der Bezug, den die gebürtige Rheinländerin nach Elmschenhagen hat, gar nicht so eng:
Vor vier Jahren ist sie aus Ostholstein nach Kiel, genauer gesagt nach Suchsdorf, gezogen. Dort ist sie auch in den Ortsverband der CDU eingetreten. Kurz darauf erreichte sie ein Hilferuf des Ortsverbandes aus Elmschenhagen. Für die Kommunalwahl war eine Kandidatin ausgefallen.
„Ich kenne in Elmschenhagen nur die B76“, habe sie damals geantwortet, erzählt sie heute. Das habe aber gereicht, fügt sie hinzu. Schnell gehen musste es damals vor allem mit der Entscheidung, ob sie auf dem nicht so aussichtsreichen Listenplatz antreten wollte. Parteipolitische Arbeit gehörte schon vor ihrem Umzug nach Kiel in unterschiedlichen Gremien zum Alltag von Elisabeth Pier, lange Jahre war sie Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag von Ostholstein. So kam es, wie es kommen musste: Pier stellte sich auf dem freien Listenplatz zur Wahl. Am Ende reichte es zwar nicht in den Rat der Stadt, aber sie entschied sich, ein Amt im Ortsbeirat zu übernehmen und wurde schließlich auch Vorsitzende des Ortsverbandes der CDU in Elmschenhagen. Dabei kannte sie vorher das Gremium eines Ortsbeirates überhaupt nicht und musste erst einmal nachlesen, welche Aufgaben damit verbunden sind.
Neben dem Wahlkampf musste sich die frischgebackene Kandidatin aber erst einmal mit dem Stadtteil vertraut machen. Persönlich ging sie mit ihrem Flyer von Briefkasten zu Briefkasten, war am Informationsstand ihrer Partei auf dem Andreas-Hofer-Platz präsent und verbrachte viele Stunden mit ihrem Hund in Elmschenhagen und der Umgebung, um sich ein Bild zu machen. „Mir ist es wichtig, dass ich weiß, wovon ich rede“, betont Elisabeth Pier und weiß, dass sie bereits viel über Elmschenhagen gelernt hat. Zum Beispiel welche Häuser noch einen zweiten Eingang auf der Rückseite haben, wo die Rehe in Garten laufen oder wo über Stufen gestöhnt werden darf. Das habe „tierisch Spaß gemacht“, sagt sie und fügt nicht ohne Stolz hinzu: „Bei den meisten Tagesordnungspunkten kenne ich den Ort, um den es geht!“ Von außen könne man, ist sich Pier sicher, oftmals vieles viel klarer beurteilen.
Parteipolitik spielt im Ortsbeirat, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle, stellt Elisabeth Pier fest. Es gehe schließlich darum, ein lebenswertes Umfeld zu schaffen und die Interessen positiv gegenüber der Stadt zu vertreten. „Keiner der Bordsteine, um den es im Ortsbeirat geht, ist ein CDU-Bordstein oder ein SPD-Bordstein...“, beschreibt sie die Grundlage für die Zusammenarbeit der Mitglieder des Ortsbeirates.
Im Rahmen der Möglichkeiten ist Elisabeth Pier auch durchaus zufrieden, was der Ortsbeirat bewegen kann. Lediglich für die Prioritätenlisten, nach denen die Stadt Kiel Vorhaben abarbeitet, findet sie es zum Teil problematisch, Gehör zu finden. Für die aktuell diskutierte Beleuchtung eines Schulwegs beispielsweise. Wobei die Ortsbeirätin auch hier schon einen individuellen Ortstermin in Form eines Spaziergangs mit Hund kurz vor Schulbeginn geplant hat.
Die Sitzungen des Ortsbeirates empfindet sie oft als sehr anstrengend. Eigentlich, so sagt sie, sei es ja so, dass die Mitglieder des Ortsbeirates vornehmlich miteinander diskutieren sollten. Dafür sei die aktuelle Situation in der Aula des Gymnasiums gar nicht ideal. Die lange Tischreihe, an der die Ortsbeiräte Platz nähmen, würde verhindern, dass sie sich sehen können. „Ich kann nicht mit jemandem diskutieren, den ich nicht sehen kann“, sagt sie etwas unzufrieden. Das führe oft auch dazu, dass entgegen der Geschäftsordnung Besucher vor den Mitgliedern das Wort erteilt bekämen und die Mitglieder des Gremiums oft an der Reihe wären, wenn sich das Thema längst verändert habe.
Wenn Elisabeth Pier nach Elmschenhagen blickt, vermisst sie für den Stadtteil einen gemeinsamen Treffpunkt. Etwas wie einen Bürgerraum oder auch größeres Sportlerheim. Gerade durch die Teilung des Stadtteils durch die Bundesstraße sei es schwierig etwas zu finden, womit sich der ganze Stadtteil identifizieren könne.
Beruflich ist Elisabeth Pier als geschäftsführende Vizepräsidentin der Landesverkehrswacht tätig. Ein Arbeitsfeld, dem sie sich, wie allen Dingen, die sie anfasst, mit viel Engagement widmet.
Das Ehrenamt im Ortsbeirat ist so auch nur eines von vielen. Allerdings sind die Ehrenämter deutlich weniger geworden, schmunzelt die Mutter von inzwischen erwachsenen vier Kindern. Als ihre Kinder noch zur Schule gingen, musste sie sich von ihnen einmal die Frage gefallen lassen, wenn sie nun sterben würde, welche Funktionen man dann quasi als Nachruf aufzählen müsse. Damals habe sie, so erzählt sie, das Sterben zwar erst einmal ausgeschlossen. Bei der Zählung der Funktionen, die durch die Kinder auch von Elternbeiräten in mehreren Klassen und Schulen bis hin zum Vorsitz im Landeselternbeirat gereicht haben, wäre sie damals auf 33 gekommen. Ein Leben als Hausfrau zu Hause habe sie eben nicht zufrieden gestellt, sagt Elisabeth Pier.

[Kiel - Elmschenhagen, 21.05.11, Text: Uwe Zeitter]

 

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